Startseite › Amnesty überfällt die Stadt am 18. Juli 2009
Am Samstag den 18. Juli 2009 sorgten wir zusammen mit der Theatergruppe des Emmy-Noether-Gymnasiums für Aufmerksamkeit in der Erlanger Fußgängerzone. Fünf kurze Theateraktionen lenkten die Passanten von ihrem morgendlichen Einkaufsbummel ab und führten ihnen aktuelle Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika vor Augen.
gefangen: Der Aktionstag wurde mit einem Marsch vom Rathausplatz bis zu den Erlanger Arcaden eingeleitet. Als Paramilitärs verkleidete Schüler und Studierende trieben einen Gefangenen unter Kommandos die Hauptstraße entlang. Der Gefangene versuchte mehrmals zu flüchten, wurde jedoch immer wieder eingefangen.
erstarrt: Als nächstes stand eine Freeze-Aktion auf dem Plan. Vor den Arcaden fror für etwa zehn Minuten das Geschehen ein: Ein Redner wurde an seiner Kundgebung gehindert. Eine Leserin blickte in eine zensierte Zeitung. Frauen wurden misshandelt und eine Gruppe schaute vor den Verbrechen weg. Gelbe Schilder wiesen während der Aktion auf Amnesty-Forderungen hin und forderten Presse- und Meinungsfreiheit, Aufklärung von Verbrechen sowie Gewaltverhinderung an Frauen. Zahlreiche Fußgänger beobachteten verwundert die Ereignisse.
entführt: Kurze Zeit später wurde eine junge Frau beim „window shopping“ von zwei maskierten Männern entführt. Die Frau schrie lauthals, doch niemand konnte die Entführer aufhalten. Ein Mitglied der Hochschulgruppe informierte im Anschluss an diese Aktion über Verschleppungen in Lateinamerika.
gefoltert: Der nächste Schauplatz war der Hugenottenplatz. Hier wurden drei Menschenrechtsaktivisten gefangen genommen und in ein Gefängnis gesperrt. Foltergeräusche und Schreie waren zu hören. Schockierte Passanten blieben stehen und eine Fußgängerin griff direkt in das Geschehen ein, da sie nicht „wegschauen“ wollte.
erschossen: Auch die Abschlussaktion fand auf dem Hugenottenplatz statt. Sechs Opfer knieten auf der Straße und wurden der Reihe nach erschossen. Jeder Tote trug ein Schild mit seinem Namen. Die Körper der Opfer wurden mit Kreide umzeichnet, um den ganzen Samstagnachmittag an sie zu erinnern.
Alle nachgestellten Szenen sorgten für viel Diskussionsbedarf unter den Passanten. Viele erkundigten sich bei uns über die einzelnen Aktionen und Fälle. …und schließlich nach Beendigung des „Amnesty-Überfalls“ sah man in der ganzen Erlanger Innenstadt Kinder mit gelb leuchtenden Amnesty-Luftballons herumlaufen.
Vielen Dank an alle Unterstützer: der Theatergruppe des Emmy-Noether-Gymnasiums, Jennifer Gebske (Video), Jan Friederich (Video), André Kreuter (Fotograf), Cornelius Wachinger (Fotograf)